Eine Städtereise in die Stadt, die sich mit nichts vergleichen lässt:

¡Nada se compara con la Habana!

Montag 02.10.2017

Ohje – schon wieder müssen wir früh aufstehen – um 6:10 Uhr geht unser Flieger nach Amsterdam.

Mit etwas geschmischten Gefühlen treten wir die Reise an, denn vor Kurzem ist der Wirbelsturm „Irma“ über die Insel gefegt und hat starke Schäden verursacht. Unser Hotel – unweit der Uferpromenade „Malecón“ - liegt in dem Stadtteil, der teilweise hüfthoch unter Wasser gestanden hat und viele Reiseveranstalter haben deswegen storniert. Unser Linienflug lässt sich nicht stornieren und eine Reiserücktritt-Versicherung haben wir nicht. Na – mal sehn...

Vor dem Checkin der KLM hat sich bereits eine riesige Schlange gebildet. Haben die denn kein Self-Drop-Off für das Gepäck? Schließlich haben wir am Vorabend schon online für den Flug eingecheckt und sind schon im Besitz unserer Bordkarten. Einen Gepäckautomaten können wir nicht entdecken und die nur langsam vorankommende Schlange wird immer länger.

Dann kommt ein Mitarbeiter und fragt jeden Einzelnen der gefühlt 200 Menschen: „Haben Sie eine Bordkarte?“. Komisch, scheinbar hat neben uns nur ein einziger Passagier den Online-CheckIn benutzt. Wir werden an den Schlange vorbei zu den Gepäckautomaten gelotst, die sich völlig versteckt hinter den Schaltern für das manuelle CheckIn befinden. Natürlich ist für jeden dieser ungenutzten Automaten ein Mitarbeiter abgestellt worden – denn ständig klemmt etwas. Unsere Tasche lässt sich nicht passgenau zwischen den Sensoren des Fließbandes ausrichten und erst nach dem 7. Versuch lässt der Computer unser Gepäck abfahren – begleitet vom Stoßseufzer der Gepäckautomaten-Assistentin. Schöne neue Technikwelt – und so effizient!

Ein Mitarbeiter fragt uns, wo es denn hinginge. „Nach Kuba, aha – haben Sie denn ein Visum?“.

Hmm – als wir 2013 in Kuba waren, gab es eine Touristenkarte im Flieger. „Nö“, sagt Jochen. „Aber die Touristenkarte wird ja im Flieger verteilt...“

Der Flug von Amsterdam nach Havanna ist – wohl aufgrund der vielen Stornierungen wegen der Stürme „Irma“ und „Maria“ - alles andere als ausgebucht. Wir geniessen die komfortable Situation und können ausgestreckt schlafen. Der Service bei KLM ist prima und das Bordentertainment ist kurzweilig.

Wohl wegen des Sturmes nimmt der Pilot die „Nordroute“ über Island, Grönland und Neufundland. Bei hervorragender Sicht fliegen wir entlang der US-Küste in Richtung Süden und wir haben einen prima Blick auf z.b. New York, Atlantic City und die Florida Keys.

Der Landeanflug auf den Flughafen von Havanna gestaltet sich dann noch einmal spektakulär – in sehr geringer Höhe fliegen wir ziemlich lange mit sehr geringer Geschwindigkeit über grüne Landschaft, Strassen, Häuser und Industrieanlagen bis endlich unter uns die Landebahn auftaucht.

Wir sind mit die Ersten, die das Fluzeug verlassen und somit auch ziemlich weit vorne an der Passkontrolle. Nachdenklich blättert die Beamtin in unseren Pässen: „Haben Sie ein Visum?“.

Und wir hatten uns schon gewundert, warum es im Flugzeug nur ein Zolldokument gab.

„Nein, haben wir nicht...“. „Hmmm“, sagt die Beamtin und greift zum Telefon. Eine weitere Beamtin taucht auf und wir werden aufgefordert mitzukommen. Einer dritten Beamtin erklären wir dann die Situation. „Haben Sie Geld dabei? Ich stelle Ihnen jetzt zwei Visa aus – das macht dann 62€ pro Person“. Noch nie haben wir so gerne bezahlt!

Im Nachhinein hätten wir den Reiseführer eventuell etwas gründlicher lesen sollen: „Die Touristenkarte stellt bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter aus. Bei einigen Flugesellschaften ist die Karte mit im Ticketpreis enthalten. Individualreisende müssen die Touristenkarte bei der Kubanischen Botschaft beantragen. Eine Austellung der Karte am Ankunftsflughafen ist auf keinen Fall möglich...“. Schwein gehabt!

Am Gepäckband dauert es unglaublich lange, es ist unangenehm stickig in der Halle und nicht nur bei uns läuft der Schweiss in Strömen. Wir vermuten, dass jedes einzelne Gepäckstück gründlich durchsucht wird, bevor es auf das Laufband geworfen wird. Während wir warten, unterhalten wir uns mit anderen Deutschen über die Visums-Problematik. „Wir haben uns für 22€ das Visum auf dem Konsulat geholt, müssten aber eine Stunde warten“. Der Postweg hätte nochmal 25€ obendrauf gekostet, in sofern liegen wir mit der Preisgestaltung am Flughafen doch gar nicht so schlecht.

Endlich kommt das Gepäck. Jochen fingert schnell eine Dose Deo-Spray heraus, seins hat schon vor Stunden versagt. Ja – das Gepäck ist definitiv durchsucht worden.

Wir können jetzt durch den Zoll und unser Abholer wartet bereits. Wir werden in ein Taxi gesetzt und Jochen bittet den Taxifahrer, kurz an einer Wechselstube anzuhalten. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt – es sind ca. 20km – sehen wir kaum Sturmschäden. Der Fahrer stoppt kurz am „Habana Libre“-Hotel und wir wechseln einige Euro in „Konvertible Pesos“ (CUC).

Kuba hat zwei Währungen: eine „nationale“ - den „CUP“. Dieser Peso ist nicht konvertierbar, die Einheimischen bekommen ihren Lohn in CUP, zahlen ihre Miete in CUP und kaufen Ihre Grundnahrungsmittel und ihre Busfahrkarte damit.

Touristen zahlen mit „CUC“, das ist der konvertierbare Peso. Hierfür gibt es alles, was das Herz begehrt: Hotels, Taxis, Hygieneartikel...

Aufgrund dieser 2 Währungen ist es auf Kuba gelegentlich so, dass ein Taxifahrer (der u.a. auch Trinkgeld in CUC bekommt) mehr verdient als ein Herzchirurg.

Endlich kommen wir im Hotel an. Eine kleines, nettes, privat geführtes Haus in Centro Habana.

Von Sturm- oder Wasserschäden ist auch hier kaum etwas zu sehen. Respekt – die müssen hier ganz schnell aufgeräumt haben. Das koloniale Gebäude wirkt von aussen etwas heruntergekommen – so wie alle Gebäude in diesem Stadtteil. Aber gerade dieser marode Charme der alten Gebäude hat es uns angetan – es dürfte ein Teil dessen sein, was Havanna ausmacht. Die Strasse ist alles andere als steril – vor den Häusern sitzen Menschen und unterhalten sich angeregt, Verkäufer und Bicycle-Taxis rufen Ihre Werbebotschaften, Kinder spielen Fußball und gelegentlich fährt ein Amerikanischer Oldtimer aus den späten 50er-Jahren durch die engen Gassen. Untermalt wird das ganze von den Bässen des Reggaeton, der von irgendwo aus einem Ghettoblaster tönt. Und niemand käme auf die Idee, sich daran zu stören.

 

Im Gebäudeinneren eine komplett andere Welt: ein kleiner, schicker Innenhof mit Sitzgelegenheit. Liebevoll hergerichtete Zimmer mit 4m hohen Decken. Super, das gefällt uns!

„Mojito?“, fragt Alexandro, der Hotelbesitzer. Na – das fängt ja gut an!

Jetzt schnell frischmachen und etwas Essen. Barbara entdeckt, dass sämtliche BHs aus Ihrer Tasche verschwunden sind. Toll – hat bei der „Zollabfertigung“ wohl jemand brauchen können...

Wir finden ein kleines, nettes Restaurant in dem auch Vegetarier satt werden und freuen uns auf die nächsten Tage.

Dienstag, 03.10.2017

Um 3 Uhr Morgens weckt uns ein Hahn – mitten in der Großstadt! Wir fühlen uns spontan an zuhause erinnert und schlafen schnell wieder ein. Nach dem leckeren Frühstück mit hausgemachter Marmelade, frischem Obst und frisch gepresstem Saft machen wir uns auf zur ersten Stadtbesichtigung. Mit der Altstadt – La Habana Veja – fangen wir an. Da wir in Centro Habana wohnen, ist diese fußläufig erreichbar. Die legendäre Uferpromenade - der Maleón ist auch nur 3 Strassen entfernt. Wir bestaunen die Wellen, die auf die Strasse spritzen und können uns gut vorstellen, wie es wohl aussieht, wenn ein Hurrikan das Wasser in die Stadt treibt.

Nach ca. 10 Gehminuten erreichen wir den Parque Central. Dort liegen die prächtigen Gebäude der Großen Hotels und neben vielen Oldtimer-Taxis warten  auch quietschgelbe "Coco"-Taxis auf Kundschaft.

Direkt dahinter beginnen die Gassen der Altstadt. Bereits früh erklingt hier Musik, die vielen Strassencafes sind gut gefüllt und wir lassen uns im Trubel treiben.

Seit unserem letzten Besuch 2013 hat sich die Internet-Situation auf Kuba ein klein wenig verbessert: es gibt zwar für Privatpersonen in der Regel keinen Internetanschluß und mobiles Internet für das Smartphone gibt es erst recht nicht. In der Stadt verteilt gibt es aber mittlerweile einige WLAN-Hotspots. Diese werden ausschließlich vom staatlichen Telekommunikationsanbieter ETECSA betrieben und sind daran zu erkennen, dass sich ca. 50 Kubaner irgendwo versammeln und auf Ihre Smartphones starren. Den Zugang zu diesen Hotspots gibt es mit einem Voucher, der sich für 1,5 CUC (für eine Stunde Internet) in der ETECSA-Verkaufsstelle erwerben lässt.

Die Schlange vor dem ETECSA-Office ist lang, die Kundschaft wird einzelnd in das Gebäude gelassen. Drinnen gibt es einen kleinen Wartebereich und wer aufgerufen wird, darf zum Schalter vortreten. Nach Vorlage der Ausweispapiere wird man registriert und darf sich einen Voucher kaufen. Wir erwerben gleich mehrere – der ganze Spaß hat nämlich ca. eine Stunde gedauert. Auf der anderen Seite ist das Schlangestehen auch ganz nennt – hier kommt man leicht mit ebenfalls wartenden Kubanern und anderen Touristen ins Gespräch. Ausserdem: wir haben es ja schließlich nicht eilig.

Am Abend geht es nochmal in die Stadt. Promt lassen wir uns von einem der zahlreichen Schlepper anquatschen, der uns ein „Paladar“ empfielt. Ein Paladar ist ein privates Restaurant und immer ein Erlebnis – manchmal ist es einfach nur ein umgebautes Wohnzimmer innerhalb einer Wohnung. „Paladar“ heisst übersetzt „Gaumen“ und dieser Name ist der oft kreativen Küche der Besitzer geschuldet. Einige dieser „Paladares“ zahlen Provison an Schlepper, die für ein paar CUC versuchen, möglichst viele Gäste „zu begeistern“. Die Provison wird natürlich ins Essen eingepreist. Egal, der Schlepper ist nett und wir laden ihn zum Essen ein. Jochen quatscht uns - wie so oft – fest und den Schlepper voll. Es wird ein netter Abend.

Mittwoch, 04.10.2017

Zu anderen Seite der Hafenbucht gelangt man durch einen Auto-Tunnel. Dort liegt der Felsen „El Morrro“ und auf diesem Felsen wacht die stolze Festungsanlage „Castillo de los Tres Reyes del Morro“ über die Einfahrt zum Hafen. Stilgerecht lädt uns ein 1959er Ford-Oldtimer dort ab – die Fahrt an sich ist schon ein Erlebnis. Wir sind noch etwas zu früh, die Festung öffnet erst um 10Uhr.

 

Wir besichtigen den Aussenbereich, bestaunen die riesigen Wellen, die sich an den Felsen brechen und geniessen den atemberaubenden Ausblick auf die Skyline von Havanna. Von hier aus hat man den Überblick über große Teile des Malecón und die quirlige Stadt. Am Kreuzfahrt-Terminal hat ein riesiges Schiff festgemacht – die Festung ist ein Logenplatz. Einen Moment müssen wir noch in einem Gewölbe warten, der Kassierer ist noch nicht soweit. Ein extrem lauter Chinese fällt zusätzlich unangenehm auf, weil er sich im engen Festungs-Gewölbe unter all den wartenden Menschen eine Zigarre anzündet und die Menge spontan zum Husten bringt.

Die Festung kennen wir im Prinzip schon, die Besichtigung ist aber trotzdem nett und wir klettern hoch zum Leuchtturm.

Zurück in die Stadt geht es mit einem alten Lada – ist ja mittlerweile auch ein Oldtimer. Leider fehlt der Chrom und die gewaltigen Heckflossen.

Wieder einmal bummeln wir durch La Habana Veja und können gar nicht genug bekommen vom Flair und von der Musik in der Stadt.

Man kennt uns mittlerweile - die Musiker vom Vorabend grüßen uns auf der Strasse.

Für Morgen Abend haben wir einen Tisch im „Tropicana“ bestellt - hier gibt es einen Dresscode. Leider wurde bei der „Zollinspektion“ unseres Gepäcks Jochens Jacket und Hemd total zerknittert. Unser Wirt kann helfen und bevor wir schlafen gehen, nehmen wir eine akkurat gebügelte Abendgarderobe in Empfang.

Donnerstag, 05.10.2017

Nach dem Frühstück gehen wir ein bisschen „shoppen“. Wir haben Schwierigkeiten, Papiertaschentücher zu erwerben. Die wenigen Läden, die für CUC Hygieneartikel verkaufen sind so voll, dass auch hier nur Einer nach dem Anderen hereingelassen wird. Die Folge ist – genau wie bei ETECSA vorgestern – eine lange Schlange vor den Geschäften. Naja – egal, so wichtig sind die Taschentücher nicht. Wir entscheiden uns stattdessen für ein bisschen Souvenir-Nippes: Kühlschrankmagneten sind aus und wir brauchen dringend neue! Ausserdem besichtigen wir das eher winzige Naturkundemuseum - in nichtmal 15 Minuten sind wir damit durch.

Abends bestellen wir ein Taxi zum Tropicana. Das Tropicana liegt in Stadtteil Marianao, ca. 20 Fahrminuten von unserem Hotel in Centro Habana entfernt.

Stilecht fährt das Taxi am bunt beleuchteten Eingangsportal des Clubs vor, ein livrierter Page öffnet uns die Taxitür. Es fehlt nur das Blitzlichtgewitter der Regenbogenpresse. Wir bekommen aber erstmal keinen Oscar verliehen sondern werden nach unserer Internet-Reservierung gefragt. Wir werden in ein Restaurant geleitet, alles ist hier sehr schick und – wie wir in Norddeutschland sagen – Etepetete.

Eine mindestens 80 Jahre alte Frau spielt virtous am Konzertflügel, und ein Geiger kommt zu uns an den Tisch. Nachdem er eine Weile sein Easy-Listening-Dinnerbegleit-Portfolio gegeigt hat, will auch er seine CD-Kollektion loswerden. Soviel Kuba muß bei all der Etikette sein. Wir lehnen dankend ab – unser Fahrstuhl zu Hause ist leider kaputt.

Das Abendessen ist hochwertig (sagt Jochen - "geht so" sagt Barbara) und es gibt ein vegetarisches Menü zur Auswahl.

Nach dem Essen geht es zur Show. Jochen bekommt eine Zigarre in die Hand gedrückt und Barbara eine Blume. Es ist alles sehr nett gemacht, wir werden zu einem Vierertisch direkt an der Bühne gebracht.

Zu uns werden zwei Engländerinnen gesetzt. Wir kommen sofort ins Gespräch. Die Beiden sind Reiseleiterinnen, arbeiten momentan in Mexico und sind mal kurz für ein verlängertes Wochenende nach Havanna gejettet – von Cancun aus ist es schließlich nicht weit.

Unser Tischarrangement beinhaltet je eine 0,7l Flasche Havanna-Club für 2 Personen sowie Sekt und Softdrinks. Bis der Rum aufgetischt wird und die Show beginnt, wollen wir uns die Wartezeit mit einem Mojito versüssen. Wir hatten uns das etwas anders gedacht: statt des erhofften 0.2l Glases wird für jeden ein 5 Liter Eimer serviert. Naja, vielleicht nicht 5 Liter, auf jeden Fall ist der Mojito ein 3-facher. Dann kommt der Rum. Und der Sekt. Uiii...

Die Show ist fantastisch – unglaublich bunt. Tolle Tanzdarbietungen, ein bisschen Akrobatik, viel Salsa und sehr talentierte Sänger. Der Rum tut ein übriges, sowohl die Engländerinnen als auch wir sind ganz schön „angetüddert“.

Am Ende der Show beschließen wir, uns mit den Engländerinnen ein Taxi in die Stadt zu teilen. Die Engländerinnen und Jochen schwören, schon den ganzen Tag „Club Tropicana“ von Wham im Kopf gehabt zu haben – Barbara kann sich an den Song nicht so recht erinnern. Spontan fangen die Drei an zu singen, jetzt fällt es auch Barbara wieder ein. „Club Tropicana – drinks are free...“. Naja, "free..." – zumindest beim „Dinnerpaket“ inklusive. Wir diskutieren noch ein wenig, ob es sich in dem Lied evtentuell um einen anderen Club gehandelt haben könnte. Schließlich setzt uns das Taxi vor unserer Unterkunft ab und wir verabschieden uns von unseren Leidensgenossinnen. Den Rum haben wir nicht ganz geschafft – die teure Flasche haben wir mitgenommen. Wir klingeln an der Haustür. „Braucht Ihr ein bisschen Eis?“ fragt der Angestellte, der nachts bei uns die Tür aufmacht, Naja, wenn das muß. In unserem kleinen Innenhof gibt es also noch einen (oder zwei) Rum und Jochen raucht seine Zigarre. Was für ein schöner Abend – Morgen ist Kopfschmerzen!

Freitag, 06.10.17

Den 3Uhr Hahn haben wir heute verpasst, wir schlafen lange. Der Kopfschmerz bleibt aus – Kubanischer Rum ist halt ein reines Naturprodukt. Trotzdem hängen wir etwas durch. Es ist drückend warm und es regnet sporadisch. Wir trinken den einen oder anderen Kaffee in der Stadt und berappeln uns langsam. Eigentlich wollen wir uns für nächste Woche ein Auto mieten, denn wir wollen unbedingt nochmal raus aus der Stadt und ins Viñales-Tal. Wir haben schon im Hotel gefragt, der Besitzer kann uns nur ein Auto mit Fahrer anbieten. Wir mögen eigentlich lieber alleine fahren – also versuchen wir es in der Stadt. Wir stoßen schnell an unsere Grenzen. Alle Autovermietungen in Kuba sind in staatlicher Hand und es gibt nur wenige Autos. Das liegt unter anderem daran, dass sich die großen Reiseveranstalter die verfügbaren Buchungskontigente weitgehend unter den Nagel gerissen haben. Jedes große Hotel hat einen Autovermietungsschalter, keine dieser „Cubacar“-Filialen hat ein Auto parat. Reservierungen sind immer nur für den Folgetag und auch nur 2 Stunden vor Geschäftsschluß möglich. Schlimmer noch: die Mindest-Mietdauer beträgt 3 Tage. Ok, das wollen wir nicht. Bei der Autosuche finden wir heraus, dass es im Manzana-Kempinski-Hotel ETECSA-Karten zu kaufen gibt. Zwar für 4,50CUC statt der üblichen 1,5CUC - dafür aber ohne Schlange stehen und registrieren und ein Kaffee ist ebenfalls inklusive – wie praktisch!

Zurück im Hotel bestellen wir bei Alexandro ein Auto mit Fahrer für Montag.

Samstag, 07.10.17

Als erstes steht heute der Cementerio Cristóbal Colón auf unserem Besichtigungsprogramm. Wir lassen uns mit dem Coco-Taxi dort hin bringen. Die riesige Nekropole beeindruckt uns ihren vielen Gräbern und protzigen Mausoleen. Unter den bekannten Persönlichkeiten liegt hier die „Buena Vista Social Club“-Legende Ibrahim Ferrer.

 

Nach der Friedhofsbesichtigung gönnen wir uns eine Pizza an einem Schnellimbiss. Auf der Strasse treffen wir einen pensionierten Kinderarzt. Einmal nach dem Weg gefragt und schon haben wir uns wieder eine halbe Stunde festgequatscht. Der Arzt hat lange in Kanada praktiziert, doch das Heimweh hat Ihn wieder nach Kuba gezogen.

Den Tag verbringen wir mit bummeln, relaxen, bummeln. Die Stadt hat soviel zu bieten und wir haben noch längst nicht alles gesehen. Abends gibt es wieder Livemusik. Wow – die haben es echt drauf. Es gibt hier wirklich unglaublich talentierte Musiker – Dieter Bohlen sollte sich hier mal genauer umsehen. Wir stellen fest: das Portfolio der Kubanischen Bands umfasst mittlerweile neben des üblichen „ChanChan“ auch durchaus mal ein „Despacito“

Wir besichtigen das "Museo de los Orishas", Die Orishas sind die Götter des auf Kuba weit verbreiteten Santería-Glaubens. Santería ist eine Mischreligion aus Katholizismus und den Naturreligionen der nach Kuba verschleppen Afrikanischen Sklaven. Das Museum ist sehr interessant - hier sind die einzelnen Götter als Figur "visualisiert", alle sind miteinander verwandt und jeder hat eine Aufgabe. In den Parks in und um Havanna findet übrigens man gelegentlich Opfergaben (auch geköpfte Tauben) unter Bäumen, die die Santería-Anhänger Ihren Göttern darbieten.

Sonntag, 08.10.17

Es kommt irgendwie immer und man kann es nicht vermeiden: Magenkrämpfe, Schweißausbrüche und ein gewisser Montezuma. Ein falsches Salatblatt, ein falscher Eiswürfel. „If you can't cook it or peel it – forget it“. Naja, ein schöner Spruch – aber deswegen die regionale Küche liegenlassen?

Uns geht es heute wirklich nicht gut. Wir gehen zwar „in die Stadt“ aber der Gang ist nicht ganz so aufrecht wie sonst und auch die Mittagstunde fällt heute deutlich länger aus. Egal -es regnet sowieso in Strömen und der Staub der Strasse hat einen dicken Schmierfilm hinterlassen. Abends verzichten wir weitgehend auf den Mojito und wir gehen auch relativ früh schlafen. Hoffentlich geht des Morgen gut mit unserer Ausfahrt.

Montag, 09.10.17

Heute geht es uns besser – ein Glück. Für 8:30Uhr haben wir unser Auto bestellt. Leider hat Alexandro eine schlechte Nachricht: das bestellte Fahrzeug ist aus der Garage gerollt und die Bremsen haben versagt. Sie wollen schnell nochmal in die Werkstatt. „Wir haben es nicht eilig, wenn es heute nicht klappt, dann fahren wir halt Morgen.“

Das Problem mit den Bremsen scheint sich wohl nicht so schnell beheben zu lassen. Während wir unser Frühstück geniessen, führt Alexandro unseretwegen unzählige Telefonate. Schließlich bestellt er ein anderes Auto und pünktlich um 8:30Uhr steht ein Chevrolet-Oldtimer bei uns vor der Tür. Das Auto sieht aus wie ein Neuwagen – wow !

Der Fahrer – Roly – ist sehr nett und wir kommen schnell ins Gespräch. Wir nehmen die Autobahn Richtung Pinar Del Rio und in etwas über 2,5Stunden schaukelt uns das 50Jahre alte Auto nach Viñales. Es ist, als würden wir auf einem Sofa durch die grüne Landschaft fahren. Die Federung ist allerdings so schlecht, dass wir jedes Schlagloch und jede Bodenwelle direkt mitbekommen.

Das Städtchen Viñales ist bunt und scheint überwiegend aus Pensionen und Restaurants zu bestehen.

Wir halten an der Cafeteria vor dem Hotel „Los Jazmines“. In diesem Hotel haben wir 2013 übernachtet. Wir laden Rolly zu einem Kaffee ein und geniessen den Ausblick über das Tal mit seinen Kegelfelsen, den Mogotes. Die Landschaft hier ist einzigartig – nicht umsonst wurde sie 1999 von der UNESCO mit dem Titel „Kulturlandschaft der Menschheit“ bedacht.

Wir besichtigen das Tal und schauen uns das vom Mexikanischen Künstler Morillo geschaffene Felsgrafitti „Mural de la Prehistoria“ an.

Mittagessen gibt es in einem Palador einer Bauernfamilie. Hier liegen Katzen und Hunde unter den Tischen, Hühner laufen durch den Schankraum und ab und zu schaut ein Schwein vorbei. Am Nebentisch sitzen zwei Spanierinnen und eine Australierin, schnell kommen wir ins Gespräch. Nach dem Essen besichtigen wir eine Tabak-Farm. Ein Angestellter zwirbelt in 30 Sekunden aus Tabakblättern eine Zigarre zurecht. Naja, wenn man den ganzen Tag nichts anderes macht...

Roly fährt uns dann zur Höhle „Cueva del Indio“. Die Höhle wird von einem unterirdischen Fluß durchzogen und das letzte Stück fährt man mit einem Boot. Eigentlich spektakulär aber unglaublich viele Touristen haben die gleiche Idee. Vor dem Booten bildet sich eine lange Schlange. Mucha gente...

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir wieder in Havanna an. Wir verabschieden uns von unserem netten Fahrer. Jetzt schnell unter die Dusche und ab in die Stadt – die Musik wartet und vielleicht schmeckt der Mojito auch schon wieder!

Dienstag, 10.10.17

Heute wollen wir uns die Finca Vigía ansehen – das ist der ehemalige Wohnsitz von Ernest Hemingway. Die Finca ist heute ein Museum. Man kann die Räume Hemmingways nicht betreten, aber durch die geöffneten Fenster in die legendäre Villa hineinsehen. Die Zimmer sollen wohl weitgehend im Original erhalten sein und es soll laut Reisefüher der Eindruck entstehen, dass Hemingway diesen Ort gerade erst verlassen hat. Das ca. 6 Hektar große Geländer liegt ca. 25km östlich von Havanna. Wir winken ein Oldtimer-Taxi heran. Die Fahrt geht vorbei an Hafen- und Industriegebieten und durch Vororte mit bunten, eingeschössigen Häusern. An der Finca angekommen, finden wir ein mit einer dicken Stahlkette verschlossenes Einfahrtstor vor. Der Taxifahrer fragt sich durch – es gibt wohl noch einen anderen Eingang. Er umfährt das riesige Gelände und tatsächlich – es gibt noch ein Tor auf der anderen Seite, dort steht auch ein Pförtnerhäuschen. Leider ist auch dieses Tor verschlossen und der Taxifahrer hupt solange, bis der Pförtner aus seinem Kabuff kommt. „Die Villa ist leider bis November geschlossen...“

Na toll – es wird wohl gerade renoviert. Wir fahren also direkt zurück in die Stadt. Wenigstens war die Strecke ganz nett, eine schöne Ausfahrt. Am Nachmittag besichtigen wir den Stadteil Vedado, sehen uns den Plaza de la Revolución an und nehmen den Fahrstuhl zur Aussichtsplattform des noch vom Diktator Batista errichteten José-Martí-Denkmals. Vom dem 109m hohen Turm hat man einen unglaublichen Ausblick auf die Stadt. Geier nutzen geschickt die Thermiken, landen auf den Mauervorsprügen in schwindelerregender Höhe und wundern sich über die Touristen auf der anderen Seite der Glasscheibe.


 

Mittwoch, 11.10.17

Unser letzter Urlaubstag – den Morgen beginnen wir wie immer am Paseo de Marti bei einer Tasse Kaffee. Die ganze Zeit haben wir schon mit diesem Touri-Hop-on-Hop-off-Bus geliebäugelt - das soll heute unsere Tagesaktivität werden. Für nur 10 CUC fährt einen der Bus einen Tag lang durch die ganze Stadt. Natürlich fährt er nicht durch die Gassen von La Habana Veja, aber man bekommt einen guten Überblick. Wir geniessen die Fahrt auf dem offenen Oberdeck – neben uns sind nur wenige Touris an Bord. Die Perspektive vom Dach des Doppeldecker-Busses ist irgendwie eine ganz andere.

Wir lassen uns bis in den westlichen Stadtteil „Miramar“ mitnehmen. Nach der kurzweiligen Ausfahrt besichtigen wir noch die legendäre, riesengroße staatliche Eisdiele „Coppelia“. Laut Wikipedia produzieren und servieren hier 400 Angestellte täglich mehr als 16100 Liter Eiscreme für 35.000 Kunden. Täglich, wohlgemerkt. Eiscreme scheint hier bei den Einheimischen ein ganz großes Ding zu sein – kein Wunder – bei den Temperaturen.

Etwas wehmutig blickt Jochen auf das große Kino „Yara“ in „La Rampa“. Tagelang haben wir versucht, einen Spielplan für kubanische oder lateinamerikanische Filme aufzutreiben. Unser Hotelbesitzer hat alles versucht, konnte aber nur internationale Produktionen finden. Immer wenn wir nachfragen wollten, hatte die Kinokasse zu und der Aushang war eher spärlich. Wir haben uns sogar eine Zeitung gekauft – leider hatte die auch kein Kinoprogramm. Naja, man kann nicht alles haben.

Alexandro hat uns für den Abend einen Tisch bei der "Sociedad Cultural Rosalia de Castro" reserviert. Hier gibt es ein Dinner mit "Buena Vista Social Club" feeling. Wir sind etwas zu früh, Einlass ist erst ab 20:30Uhr. Zum Glück gibt es nebenan eine Bar, in der wir uns einen Mojito genehmigen können. Auch ein "Musiker" ist vor Ort, sein Instrument besteht aus einer Holzlatte, einem Eimer und einem Stück Wäscheleine als Saite. Barbara darf darauf "Smoke on the Water" zum besten geben.

Die Show ist weltklasse und die Musiker sind echte Ausnahmetalente. Besonders beindruckt uns ein stimmgewaltiger, geschätzt 90jähriger Opa. Wir sitzen mit einem schwulen Pärchen aus Texas am Tisch - die beiden haben spontan eine Kreuzfahrt unternommen und wollten die Gelegenheit nutzen, bevor Herr Trump den Reiseverkehr nach Kuba wieder einschränkt.

Wieder quatschen wir uns fest und es wird mal wieder ein echt netter und musikreicher Abend.

Donnerstag, 12.10.17

Um 13Uhr soll unser Taxi kommen und uns zum Flughafen bringen. Wir haben also mehr als genug Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Der Flughafentransport ist in unserem Reisepreis enthalten. Barbara informiert unsere Hotelwirtin Nelly und wir dürfen bis zur Ankunft des Taxis unser Zimmer behalten. Leider dachte Nelly, dass wir ein Taxi benötigen und um 13 Uhr kommt ein Fahrer und lädt unsere Koffer ein. Auf der anderen Strassenseite steht inzwischen das bestellte Taxi – da ist wohl was falsch gelaufen. Mit hochrotem Kopf kommt die Taxifahrerin angerauscht, fuchtelt mir ihren Papieren herum und schreit die verblüffte Nelly und den anderen Fahrer an. Ein Missverständnis – na und? Da muss man doch nicht gleich so ausrasten. Wir laden das Gepäck um, entschuldigen uns bei Fahrer Nummer 2 und verabschieden uns von unseren sehr netten Herbergseltern. Auf der Rückfahrt hat die Gewitterzicke nichts anderes zu tun, als Ihrer Zentrale den „Vorfall“ aufgeregt und haarklein zu schildern „die haben einfach ein Auto bestellt, ich hab' doch die Papiere, er hat gesagt..., sie hat gesagt...“.

Barbara murmelt: „Vorsicht - gleich platzt sie!“.

Der Checkin in Havanna geht relativ schnell vonstatten. Wir investieren unsere letztes CUC-Kleingeld in ein Käsesandwich und tauschen den verbleibenden Rest zurück. 35€ - immerhin.

Unser Rückflug ist wieder angenehm leer – Barbara darf sich langmachen. Das Bordprogramm bietet einen ausgezeichneten Spanischen Film – Jochen ist begeistert.

Auf Wiedersehen, Havanna – und ja, das Wortspiel muss sein: Che war's !